In dem ab September 1914 in aller Eile errichteten Mannschaftsgefangenenlager Kleinwittenberg waren während des 1. Weltkrieges über 15.000 Menschen interniert. Auf Grund einer Fleckfieber-Epidemie erlangte das Lager einen Sonderstatus in der öffentlichen Wahrnehmung des Auslandes. Es wurde in hunderten Zeitungartikeln und 1918 sogar in einem US-amerikanischen Stummfilm ausführlich thematisiert. Auch in Wittenberg selbst erregte das Lager größtes öffentliches Interesse.

Einwohner pilgerten an den Stacheldrahtzaun, um die für sie exotisch anmutenden Kämpfer aus fernen Ländern zu betrachten. Die Arbeitgeber der Region konkurrierten um die Kriegsgefangenen, die sie als billige Arbeitskräfte benötigten. Sie arbeiteten in der Landwirtschaft der gesamten Region, aber auch im Eisenwerk Joly, im Werk der WASAG und in dem 1916 unter ihrer Mitwirkung errichteten Reichsstickstoffwerk Piesteritz. Ca. 950 Kriegsgefangene sind in Wittenberg verstorben, mindestens zu einem guten Teil in Folge der katastrophalen Zustände, die im Lager herrschten.

Vor diesem Hintergrund muss erstaunen, dass die Geschichte des Lagers bisher nur unzureichend aufgearbeitet wurde. Bis auf zwei Gedenksteine sind heute auch keine Spuren des Lagers mehr vorhanden. Das Projekt des PFLUG e.V. geht von diesem Befund aus. Bevor aber über Formen der politisch-historischen Bildungsarbeit und der Entwicklung einer angemessenen demokratiebildenden Erinnerungskultur nachgedacht werden kann, sind grundlegende Recherchen und Analysen von Quellenmaterial anzustellen, um die eklatanten, bisher vorhandenen Wissenslücken zu schließen.

Diese Recherchen und Analysen sollen daher mit Hilfe eines Fachhistorikers durchgeführt werden. Notwendig ist die Recherche in zahlreichen Archiven, neben den lokalen Archiven sind dies auch Archive z. B. in Großbritannien. Diese Recherchen sollen in einem umfassenden Portfolio zusammengeführt und öffentlich vorgestellt werden. Die öffentliche Präsentation der Ergebnisse soll allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zur Information geben und eine Diskussion um angemessene, zeitgemäße und bisher fehlende Formen der Erinnerungskultur und politischen Bildungsarbeit eröffnen. Dies alles soll zudem von einer umfassenden Presse- und Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden.


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